Die Zeit vergeht, die Liebe bleibt ...
Kennt Ihr dieses Gefühl, ganz früh am Morgen: Der Kopf ist noch frei vom Pflichtplan des Alltags, die Vögel singen und das Licht schwebt um die Vorhänge herum leise in den Raum. Alles ist in dieses weiche, warme, cremefarbende Licht getaucht und gestern und heute verschwimmen in unzähligen Bildern...
Dann bin ich wieder ein Kind und liege in dem riesigen, mahagonieschweren Bett meiner Oma unter daunendicken, wolkenweichen, leinenknisternden, lavendelduftenden Decken. Ich sehe das Licht durch die vergilbten Rollos hindurch ins Zimmer schweben, wie kleine, vorwitzige Lichtwesen brechen sich die Lichtstrahlen in den Glasscheiben auf den Nachttischen, sie tanzen über den großen, schweren Schrank und zaubern Regenbogenfarben in die alten Parfumflakons auf dem Frisiertisch...Ich liebe diese Ferien-Morgende, die gefüllt sind mit dem zärtlichen Gurren der Tauben in der großen, alten Lärche vor dem Schlafzimmerfenster, in der Ferne am Hafen das Rufen der Möwen, Autos, die über das Kopfsteinpflaster rollen. Ich höre, wie meine Oma den Gasofen anmacht, ritsch ratsch schnarrt der lange Anzünder, ich stelle mir vor, wie die blauen, kleinen Flammen ihren Kreis tanzen, die Dielen knarren unter Omas Schritten und der Wasserkessel beginnt zu pfeifen.
Ich schlüpfe unter der Wolkendecke aus Daunen hervor, stehe einen Augenblick vor dem großen Spiegel des Frisiertisches, drehe die glitzernden kristallenden Flakons und lasse Omas viel zu großen Brilliantring an meinem viel zu kleinen Finger blitzen – ich bin eine Prinzessin...!!!! Ich weiß, wenn ich jetzt in die Küche gehe, dann wird es nach heißem Kakao und Kaffee duften, sie wird die Lieder von den Cassetten von Fritz Wunderlich ( " Dein ist mein ganzes Herz.." "Ach, Jessilein, was haben dein Opa und ich danach getanzt...!.) oder Roger Whittaker ( "Zum Weinen ist immer noch Zeit"...) mitsingen und wenn sie mich sieht, wird sie mitten in ihrem mehr oder weniger melodiösen, dafür aber umso inbrünstigeren Gesang abbrechen und mich anlachen mit ihren blitzeblauen Augen : „ Na, Kind, hast Du ausgeschlafen?“
Ich liebe diese Morgende, in denen das Gestern und das Heute im weichen Licht miteinander verschwimmen !
Wenn ich heute aufstehe, dann sehe ich wieder auf einen alten Frisiertisch ( nein, leider nicht den von meiner Oma. Meiner ist zierlicher und natürlich weiß ! ) und kristallende Flakons. Überhaupt besteht unser Haus aus so vielen Dingen, die mich an früher erinnern.
So nehme ich die Geborgenheit von damals mit in meine heutige Geborgenheit. Meine Oma ist vor 13 Jahren bei einem Besuch bei uns in Bayern gestorben und sie fehlt mir bis heute so sehr. Aber ich bin auch so dankbar für all diese Erinnerungen ! Als ich den wunder-,wunderschönen Post „Suche nach der vergangenen Zeit“ von Angie (http://decodreamscometrue.blogspot.com ) las, war ich tief berührt, weil ihre Erinnerungen und meine Erinnerungen einander so sehr gleichen ! Die Bettwäsche, unter der ich damals als Kind schlief, liegt heute zum größten Teil in meiner Wäschekommode und knistert noch immer so einzigartig, wenn ich sie berühre ( wie sagtest Du so schön und so poetisch, liebe Angie : „Wie ein Schleier gewebt aus meinen Erinnerungen“ ). Ein Kissen und ein Überschlaglaken mit viel Spitze und eingesticktem Monogramm habe ich etwas entfremdet und benutze sie als Überwurf über der Couch und einen Sessel. So ist sie immer bei mir - die Nostalgie der vergangenen Zeit, die Erinnerungen und ganz bestimmt auch manchmal meine Oma...
Egal, wieviel Zeit auch vergehen wird - die Liebe bleibt !













